Mehrere Treibgasflaschen, Fokus auf Entnahmeventil.

Treibgas (Staplergas): eine vielseitige Antriebsenergie

Unter Treibgas versteht man zunächst verdichtete oder druckverflüssigte Gase. Im Allgemeinen wird der Begriff vor allem mit Druckbehältern wie Sprühdosen in Verbindung gebracht, was jedoch nur einen Teilbereich der Anwendungsmöglichkeiten beschreibt. Treibgas wird im industriellen und gewerblichen Bereich außerdem als Antriebsenergie eingesetzt und daher auch als „Gabelstaplergas“ oder „Staplergas“ bezeichnet.

Herstellung und chemische Zusammensetzung

Woraus besteht Treibgas?

Die als Antriebsenergie genutzte Form ist in den meisten Fällen ein Gemisch aus Propan und Butan. Im Vergleich zu Gabelstaplern, die mit Diesel angetrieben werden, ist diese Antriebsart emissionsärmer und darf daher auch in geschlossenen Räumen wie Lagerhallen verwendet werden.

 

Ist Treibgas umweltschädlich?

Viele denken in diesem Zusammenhang an das schon lange verbotene FCKW. Allerdings handelt es sich bei Treibgas, das als Antriebsenergie eingesetzt wird, vorwiegend um Propan, welches circa 15 Prozent weniger CO2-Emissionen verursacht als Diesel. In Anbetracht der CO2-Abgabe, die 2021 eingeführt wird und dann sukzessive ansteigt, kann diese Eigenschaft für Anwender zukünftig kostensparend sein.

 

Weitere Eigenschaften:

  • Bei der Verbrennung bilden sich kaum Rußpartikel (kein Staub und Schmutz beim Einatmen und auf der Lagerware).
  • Staplergas (Gabelstapler-Gas) ist für den Einsatz in geschlossenen Hallen zugelassen.
  • Der Antrieb gilt im Vergleich zu Staplern mit Dieselmotoren als geräuschärmer.

 

Was ist der Unterschied zwischen Propan und Treibgas?

Treibgas für Stapler oder kurz „Staplergas“ besteht vor allem aus flüssigem Propangas (C3H8). Es ist als Antriebsenergie deklariert und unterliegt daher einem anderen Energiesteuersatz als Propan, das vielerorts zum Heizen, Grillen oder Kochen genutzt wird. Chemisch gesehen unterscheiden sich die beiden Stoffe kaum. Die Situation ist vergleichbar mit der von Diesel und Heizöl, die chemisch nahezu identisch sind, aber aufgrund der unterschiedlichen Einsatzzwecke jeweils anders besteuert werden.

Ein weiterer Unterschied: Eine Treibgasflasche ist mit einem Ventil inklusive einem besonderen Tauchrohr für die flüssige Entnahme des Gases ausgestattet. Sie benötigt daher keinen Druckregler. Handelsübliche Propangasflaschen ermöglichen dagegen die direkte gasförmige Entnahme zur Erzeugung einer Flamme oder auch zum Kühlen (z. B. bei Gaskühlschränken im Camping-Bereich). Sie sind mit einem Druckminderer versehen.

Treibgas als Kraftstoff für Gabelstapler

Vor allem in der Lagerhaltung kommen Gabelstapler und andere Flurförderfahrzeuge zum Einsatz. Diese werden mit Strom, Treibgas oder Diesel betrieben.

 

Wie wird Treibgas vor Ort bevorratet?

Das hängt von der benötigten Menge bzw. der eingesetzten Technik ab. Kleine Betriebe mit einem bis zwei Staplern nutzen meist Einzelflaschen, die regelmäßig gewechselt werden. Installiert ein Betrieb eine eigene Treibgas-Tankstelle, werden diese durch fest installierte Tanks ersetzt. In diesem Fall kommt neben den Einheiten am Gabelstapler selbst natürlich noch ein größerer stationärer Behälter zum Einsatz, in denen der Energieträger gelagert wird.

Kostencheck: Treibgas als Kraftstoff-Alternative

Wirtschaftlich gesehen können sich durch den Einsatz von Treibgas für Logistikprozesse und Warenmanagement Vorteile ergeben:

 

  • Mögliche Kostenvorteile durch den Einsatz von Staplergas
  • Die Treibgastankstelle ist die bessere Alternative: Tankgas ist in der Regel günstiger als Flaschengas, was sich positiv auf die Betriebskosten auswirkt.
  • Optimale Mengenausnutzung: Der bei der Flaschengasversorgung nicht nutzbare Gasrest in jeder Flasche (etwa 10 % je Flasche) entfällt bei Gabelstaplern mit fest installiertem Tank. Dies entspricht abhängig vom Flaschenpreis einer Ersparnis von bis zu 2.000 € bei einem Jahresverbrauch von 10 t.
  • Keine Kapitalbindung: Das Flaschen- und Palettenpfand entfällt bei einer Betriebstankstelle.

Betriebseigene Tankstellen für Gasstapler

Die meistgenannten Gründe für eine Betriebstankstelle:

  • Kürzere Betankungszeit: Die Betankung nimmt etwa 60 % weniger Zeit in Anspruch als der Wechsel der Treibgasflaschen. Fazit: zeitsparende Alternative.
  • Längere Betriebsintervalle: Aufgrund des größeren Fassungsvermögens sind Stapler mit fest installiertem Tank doppelt so lange einsatzbereit wie Flaschengasstapler.
  • Weniger Arbeitsaufwand: Im Vergleich zur Flaschennutzung lassen sich bei 10 t Jahresbedarf bis zu 12 Werktage pro Jahr an effektiver Arbeitszeit einsparen:
Beispielrechnung Arbeitszeitersparnis bei 10 t Jahresbedarf, etwaige Unterschiede sind von den jeweiligen betrieblichen Gegebenheiten abhängig. | * Installierte Tankgröße am Gabelstapler (Tankgrößen für Gabelstapler gibt es mit einem Fassungsvermögen bis 110 Liter). | ** Erfahrungswerte, abhängig von den betrieblichen Gegebenheiten wie Standort der Tankstelle, Aufbewahrungsort für Flaschen und Ausstattung der Tankstelle.
Tätigkeit55-I-Tank*11-kg-Flasche
Anzahl Betankungen/Flaschenwechsel übers Jahr432909
Betankungszeit/Flaschenwechselzeit**3 Minuten8 Minuten
Aufzuwendende Arbeitszeit22 Stunden120 Stunden
Arbeitszeit-Einsparung pro Jahr98 Stunde
12 Werktage

 

  • Weniger Verwaltungsarbeit – die regelmäßige Flaschenbestellung entfällt bei einer Betriebstankstelle.
  • Kontinuierliche Betriebsbereitschaft – aufgrund des stets vorhandenen Energievorrats kommt es nicht zu energiemangelbedingten Ausfällen. Für die regelmäßige Befüllung des Tanks vor Ort sorgt beispielsweise ein Tankmodem, welches den aktuellen Tankinhalt der Tankstelle dem zuständigen Flüssiggasversorger kommuniziert. Dieser veranlasst dann die Füllung.
  • Körperliche Entlastung – das anstrengende Hantieren mit den 22 kg schweren Gasflaschen entfällt.
  • Verbesserter Arbeitsschutz – durch das einfache und handliche Tanken ganz ohne Flaschenwechsel beugen Sie Arbeitsunfällen vor.
Treibgas-Tankstelle.

Wann ist der Umstieg auf eine Treibgas-Tankstelle sinnvoll?

Eine Treibgas-Tankstelle kann sich bereits ab einer Flottengröße von drei Flurförderfahrzeugen oder ab einem Jahresbedarf von 8 t Treibgas lohnen. Da es zeitaufwendig ist, die Flaschen zu tauschen, lässt sich durch eine Betriebstankstelle viel Zeit sparen. Durch größere Mengenabnahmen und eine rationellere Logistik können auch die Energiekosten reduziert werden. Hinzu kommen verschiedene organisatorische und verwaltungstechnische Vorteile.

Wie wird der Tank am Fahrzeug montiert?

 

Mobile Treibgas-Tanks, montiert an einem Gabelstapler.

 

Ein mobiler Tank (auch Gabelstapler-Selbsttankflasche) ist die einfachste und schnellste Möglichkeit, alle Vorteile einer Treibgas-Tankstelle zu nutzen. Da, wo an den Staplern bisher die normalen Treibgasflaschen saßen, wird ein mobiler Tank installiert, der später (nach einer entsprechenden Einweisung) selbstständig befüllt werden kann. Anschließend muss das Entnahmeventil mit der Versorgungsleitung verbunden werden. So kann der Fahrer einfach und schnell auftanken, ohne den mobilen Tank wieder vom Stapler entfernen zu müssen.

Alternativ dazu können auch großvolumigere Gastanks fest am Stapler angebracht werden. Die Umrüstung von Staplergasflaschen auf fest installierte Tanks ist auch nachträglich möglich.

Ganz gleich, ob man sich für eine Treibgastankstelle mit mobilem oder fest installiertem Tank entscheidet, in beiden Fällen profitieren Unternehmen von den Vorzügen einer Treibgastankstelle. Diese umfassen unter anderem den reduzierten physischen Aufwand bzw. Zeitaufwand durch Entfall des Flaschentausches. Auch Logistik und Lagerhaltung werden in beiden Fällen deutlich vereinfacht.

 

Wie funktioniert eine Treibgas-Tankstelle?

Stapler und Flurförderfahrzeuge tanken direkt an der Zapfsäule in den eigens dafür auf dem Fahrzeug montierten Behälter. Moderne Betriebstank-Systeme bedienen höchste Sicherheitsstandards und können auf Wunsch mit zusätzlichen Funktionen und Modulen ausgestattet werden:

  • Chipkarten ermöglichen eine genaue Abrechnung

    Hier dient eine Chipkarte zur Identifikation vor der Betankung: Jeder Fahrer schaltet mit dem Einführen einer Chipkarte, die dem Fahrer oder dem Stapler zugeordnet ist, in den Kartenleser die betriebseigene Treibgas-Tankstelle frei. Das ermöglicht staplergenaue Abrechnungen und eine kontrollierte Fuhrparkverwaltung (bei professionellen Vertragsmodellen inklusive).

  • Transponder-Systeme verhindern unbefugte Nutzung

    Auch das Transponder-System dient der Identifikation. Der einzige Unterschied: Der Fahrer kann hier kontaktlos die Treibgas-Tankstelle freigeben. Der Transponder wird an das Lesegerät an der Zapfsäule gehalten und ermöglicht so die Freischaltung des Tankautomaten, wenn der Gabelstapler in Position ist.

 

Manche Anbieter haben weitere Extras (Sonderausstattung) im Programm:

  • Zusätzliches Wetterschutzdach
  • Beleuchtungseinrichtung für das Wetterschutzdach mit Dämmerungsschalter oder Bewegungsmelder
  • Gedrehte Zapfsäulen
  • Verlängerte Zapfschläuche (für besonders große Gabelstapler oder baulich schwierige Standorte)
  • Modem-Systeme
  • Kontaktschleife im Boden für Transponder

 

Treibgas sicher lagern: Was bei der Installation zu beachten ist.

Flüssiggas-Tankstellen werden individuell nach Bedarf geplant und umgesetzt. Die Füllmenge variiert dabei meist zwischen 1,2 und 2,9 Tonnen.

Bei der Aufstellung des Tanks müssen Sicherheitsabstände und Schutzzonen nach TRBS 3151 beachtet werden. Zusätzlich gibt es im gasführenden Teil der Abgabeeinrichtung (Zapfsäule/Zapfgerät) die Ex-Zone 1 und in deren Umfeld von 20 cm die Ex-Zone 2. Die genauen Positionen variieren dabei je nach Tankstellentyp. Zusätzlich kann ein sogenannter Anfahrschutz installiert werden – eine Art Leitplanke, die verhindern soll, dass Fahrzeuge die Anlage beim Tanken beschädigen.

 

Sicherheitsvorkehrungen: Leitplanke als Anfahrschutz für eine Treibgastankstelle.

Für den Anfahrschutz ist das VdTÜV-Merkblatt 965, Teil 3 für interne Tankstellen zu beachten.

 

Schutzzonen für eine Treibgas-Tankstelle auf freiem Gelände.

Seitenansicht der Schutzzonen und des Wirkbereichs bei der Aufstellung der Tankstelle auf freiem Gelände.

Draufsicht der Schutzzonen um eine Treibgas-Tankstelle

Draufsicht der Schutzzonen und des Wirkbereichs bei der Aufstellung der Tankstelle auf freiem Gelände.

Vorderansicht der Schutzzonen bei der Aufstellung einer Treibgastankstelle an einem Gebäude.

Vorderansicht der Schutzzonen und des Wirkbereichs bei der Aufstellung der Tankstelle am Gebäude.

Draufsicht der Schutzzonen bei der Aufstellung einer Treibgastankstelle an einem Gebäude.

Draufsicht der Schutzzonen und des Wirkbereichs bei der Aufstellung der Tankstelle am Gebäude.

 

 

Wie muss der Untergrund für eine Treibgas-Tankstelle vorbereitet werden?

Die Auslegung des Fundaments ist den örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Die Höhe des Beton-Fundaments und des Schüttmaterials bestimmt der Bauunternehmer je nach Bodenverhältnis und Frostgefährdung.

 

Modell einer einfachen Treibgas-Tankstelle auf einem Betonfundament.

 

Modell einer Treibgas-Tankstelle mit Sonderausstattung auf einem Betonfundament.

Nachfolgend ein Umsetzungsbeispiel zur Orientierung, die individuelle Prüfung des angedachten Standortes erfolgt durch den Anbieter der Treibgastankstelle im Einzelfall vor Ort:

  • Beton: Betongüte entsprechend der Festlegung des Planers inkl. Stahlmatte im Beton mit Fundamenterder
  • Schüttmaterial: Schotter, Kies, Sand
  • Breite des Fundaments: mind. 2.000 mm
  • Höhe Betonfundament: mind. 200 mm
  • Höhe Schüttmaterial Fundament: mind. 250 mm
  • Die Länge des Fundaments variiert je nach Tankgröße.

 

Welche Prüfintervalle gelten für betriebseigene Treibgasfüllanlagen?

Um die Sicherheit der Anlage zu gewährleisten, sind regelmäßige Prüfungen durchzuführen:

  • Jährlich: Schlauchdruckprüfung und Anlagenwartung
  • Alle 2 Jahre: äußere Prüfung
  • Alle 3 Jahre: Prüfung der elektrischen Einrichtungen der Füllanlage
  • Alle 5 Jahre: Prüfung der Füllanlage
  • Alle 10 Jahre: innere Prüfung sowie Prüfung der Rohrleitungen

 

Empfehlenswert ist es, einen Anbieter zu wählen, der einen technischen Bereitschaftsdienst zur Verfügung stellt, falls ein Defekt auftritt.

 

Erlaubnis für eine Treibgas-Tankstelle

Betreiber von Treibgas-Füllanlagen benötigen eine Genehmigung der zuständigen Behörde auf Grundlage der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Dazu erfolgt zuerst eine genaue Standortanalyse, auf deren Basis die Unterlagen für die Beantragung zur Errichtung und zum Betrieb der Anlage vorbereitet werden. Es folgt das erforderliche Erlaubnis- und Prüfverfahren bis zur Installation und Inbetriebnahme der Tankstelle sowie der Abnahme durch den ZÜS. Manche Anbieter übernehmen diese administrativen Details für Neukunden.

Umstellung auf Staplergas (mit eigener Tankstelle): Step-by-Step Checkliste

Die wichtigsten Schritte zur eigenen Versorgung zusammengefasst:

 

  1. Anfallende Erdarbeiten erledigen (falls erforderlich)
  2. Fundament legen (nach Anbietervorgaben)
  3. Anfahrschutz errichten
  4. Bereitstellung eines 6-kg-Pulverfeuerlöschers in unmittelbarer Nähe (außerhalb des Schutzbereichs)
  5. Anschlüsse der Elektrozuleitungen verlegen (einschließlich des erforderlichen Material- und Potenzialausgleichs)
  6. Arbeitsstättenbeleuchtung einrichten
  7. Anklemmen der Anlage an den vorhandenen Schaltschrank
  8. Datenkabel legen (optional, je Lösungsvariante)
  9. Blitzschutz mit Erdung errichten

 

Je nach Art der Anlage können diese Details variieren. Daher sollte in jedem Fall eine Rücksprache mit dem Anbieter der Treibgastankstelle erfolgen. Laden Sie sich die Checkliste am besten als Gesprächsgrundlage für die persönliche Beratung herunter:

 

Download Checkliste

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