Molekülstrukturen von Methan, Butan und Propan vor einem Ungleich- und Gleich-Zeichen, symbolisch für Gemeinsamkeit und Unterschied zwischen Erdgas und Flüssiggas.

Erdgas und Flüssiggas: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Sowohl Erdgas als auch Flüssiggas sind als Energieträger zum Heizen bekannt. Neben dieser und vielen weiteren Gemeinsamkeiten gibt es aber auch deutliche Unterschiede: von der chemischen Zusammensetzung bis zu den Preisen. Wir stellen sie Ihnen im Detail vor – und verraten Ihnen, mit welcher Gasart Sie am meisten profitieren.

Erdgas und Flüssiggas im Überblick

Was ist Erdgas?

Erdgas ist ein Gasgemisch, das zum Großteil aus Methan mit der chemischen Formel CH4 sowie weiteren Gasen besteht. Der Energieträger wird vor allem aus unterirdischen Lagerstätten und Sandsteinschichten gefördert. Es gibt mehrere Erdgasarten, die in L-Gase (engl. low caloric, niedriger Energiegehalt) und H-Gase (engl. high caloric, hoher Energiegehalt) unterteilt werden. In H-Gas ist grundsätzlich mehr energiereiches Methan enthalten als in L-Gas.

Darüber hinaus werden zusätzlich zum bekannten Begriff Erdgas noch weitere Bezeichnungen verwendet, die voneinander unterschieden werden müssen:

 

Brenngas, Heizgas

Als Brenngase werden alle brennbaren Gase und Gasgemische bezeichnet, dazu zählt auch Erdgas. Brenngas wird oft bedeutungsgleich zu Heizgas für alle Gassorten verwendet, die zur Erzeugung von Wärme genutzt werden.

 

Naturgas, Ökogas, Klimagas

Naturgas wird einerseits in gleicher Bedeutung wie Erdgas verwendet (in Anlehnung zur englischen Bezeichnung Natural Gas). Andererseits nutzen einige Anbieter diesen und weitere Begriffe wie Ökogas und Klimagas als Namen für Erdgasprodukte,

  • die teilweise oder vollständig aus erneuerbaren Energien hergestellt werden (Bio-Erdgas) oder
  • bei denen der CO2-Ausstoß über die Unterstützung von Umweltprojekten kompensiert wird.

 

Biogas

Biogas ist ein energiereiches Gasgemisch, das bei der Zersetzung von organischem Material unter Luftabschluss anfällt. Es besteht zu etwa 50 bis 65 Prozent aus Methan.

 

Flüssigerdgas

Flüssigerdgas (auch LNG, engl. Liquefied Natural Gas, oft auch in der Schreibweise Liquified Natural Gas) ist Erdgas, das bei Temperaturen von etwa –162 °C verflüssigt gelagert wird. Mehr zu den Einsatzmöglichkeiten und viele weitere Details über den wirtschaftlichen Energieträger erfahren Sie auf unserer Seite LNG: Herstellung, Kosten, LNG-Anlage und mehr.

 

Wozu wird Erdgas verwendet?

Erdgas wird vor allem mit Wärmeversorgung bzw. Energie für die Gasheizung in Verbindung gebracht. Darüber hinaus dient es zum Beispiel als Brenngas in Gaskraftwerken zur Strom-Erzeugung. Auch in der Industrie wird Erdgas genutzt, etwa bei der Herstellung von Kunststoffen und als Wasserstofflieferant für chemische Prozesse. Für den Antrieb von Fahrzeugen – zum Beispiel dem Erdgasauto – werden erdgasbasierte Kraftstoffe wie CNG (engl. Compressed Natural Gas) sowie das Flüssigerdgas LNG verwendet.

 

Welchen Heizwert hat Erdgas?

Welchen Brennwert hat Erdgas?

Der Heizwert und Brennwert von Erdgas hängt in erster Linie von seinem Methangehalt bzw. der Erdgasart ab. Da es sich bei Erdgas allerdings um ein Produkt handelt, das aus natürlichen Quellen gewonnen bzw. gefördert wird, können Zusammensetzung und Eigenschaften selbst innerhalb einer Erdgasart variieren. Im Folgenden einige Erdgasarten mit ihren durchschnittlichen Heizwerten und Brennwerten:

* Entspricht E nach DIN EN 437. ** Entspricht LL nach DIN EN 437.
ErdgasartHeizwertBrennwert
Misch-Erdgas H*10,27 kWh/m311,38 kWh/m3
Nordsee-Erdgas H*10,31 kWh/m311,41 kWh/m3
Erdgas L**9,33 kWh/m310,33 kWh/m3

Was ist Flüssiggas?

Flüssiggas (auch LPG, engl. Liquefied Petroleum Gas, oft auch in der Schreibweise Liquified Petroleum Gas, oder Propangas) ist ein Gasgemisch, das vor allem aus Propan (C3H8) und Butan (C4H10) besteht. Der Energieträger wird bereits unter geringem Druck flüssig und lässt sich auf diese Weise komprimiert transportieren und lagern.
Flüssiggas wird als natürliches Nebenprodukt der Raffinierung von Erdöl zu Benzin gewonnen und ist vielfältig einsetzbar: unter anderem für die Flüssiggasheizung, verschiedene gewerbliche und industrielle Prozesse wie die Lacktrocknung sowie als Flaschengas beispielsweise auf Campingplätzen. Unter den Bezeichnungen LPG und Autogas wird Flüssiggas auch als Kraftstoff für Fahrzeuge verwendet sowie als Treibgas bzw. Staplergas für Gabelstapler.
Flüssiggas unterliegt der DIN-Norm 51622:2020-09 Flüssiggase – Propan, Propen, Butan, Buten und deren Gemische mit einem maximalen Schwefelgehalt von 30 mg/kg – Anforderungen, welche unter anderem die Prüfverfahren für die genannten Gase festlegt. Dadurch werden eine gleichbleibende Qualität und ein gleichbleibender Energiegehalt des Flüssiggases gewährleistet.
Mehr über die vorteilhaften Eigenschaften und vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Flüssiggas erfahren Sie auf unserer Startseite.

 

Welche Bedeutung haben Erdgas und Flüssiggas in Deutschland?

Gasförmige Energieträger haben eine enorme Bedeutung für die Energieversorgung in Deutschland – sowohl im Wärmemarkt als auch bei der Mobilität. So wurden im Dezember 2020 etwa 49,5 % des gesamten deutschen Wohnungsbestandes mit Gas (Erdgas, Bio-Erdgas und Flüssiggas) beheizt. Außerdem wurde in den vergangenen Jahren ein bundesweites Netz an LNG-Tankstellen aufgebaut, das heute mehr als 100 öffentlich zugängliche Tankstellen umfasst und stetig erweitert wird.
Gasförmigen Energieträgern wird auch im Hinblick auf die Zukunft der Energieversorgung eine hohe Bedeutung beigemessen: als Brückentechnologie, mit der sich die Klimaziele erreichen lassen. So sollen als Alternative zu Kohlekraftwerken auch weiterhin neue gasbetriebene Kraftwerke gebaut werden – und zwar wasserstoffkompatibel. Das verknüpft die Gewährleistung heutiger Versorgungssicherheit mit einer erneuerbaren Energie, die in Zukunft eine große Rolle spielen wird.
Schon heute können Verbraucher die bewährten Energieträger Erdgas und Flüssiggas für die Versorgung ihres Zuhauses oder Betriebs mit erneuerbaren Energien kombinieren. Sie können dazu zwischen verschiedenen Lösungen wählen, darunter:

 

Gas-Hybridheizung

Bei dieser Heizlösung wird ein gasbetriebenes Brennwertgerät mit einer Anlage zur Nutzung erneuerbaren Energien kombiniert; zum Beispiel einer Wärmepumpe oder Solarthermieanlage.

 

Kombination mit Solarthermie

Solarthermie kann neben der Gas-Hybridheizung auch mit anderen Gasheizungsarten sowie gasbetriebenen Blockheizkraftwerken (BHKW) kombiniert werden.

 

Biogene Varianten

Biogen hergestelltes Erdgas oder Flüssiggas wird entweder anteilig zu den konventionellen Gasen oder sogar zu 100 % angeboten. Mithilfe der Bio-Varianten kann auch die Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien im Neubau nach Gebäudeenergiegesetz (GEG) erfüllt werden – auch ohne Einsatz von Solarthermieanlagen oder Wärmepumpen.

 

Erdgas und Flüssiggas im Vergleich

Welche Vor- und Nachteile hat Erdgas?

Welche Vor- und Nachteile hat Flüssiggas?

Erdgas und Flüssiggas haben einige gemeinsame Vorteile und Nachteile; in anderen wiederum unterscheiden sie sich deutlich voneinander. Die Vorteile beider Energieträger sind unter anderem:

 

Niedrige CO2-Bepreisung

Sowohl Erd- als auch Flüssiggas sind vergleichsweise umweltfreundlich und verursachen geringere CO2-Emissionen als beispielsweise Heizöl – deshalb sind beide Gasarten in weniger von der CO2-Bepreisung betroffen, der alle fossilen Energieträger unterliegen. Sie steigt bis zum Jahr 2026 an:Diagramm: Anteil der CO2-Bepreisung an den Kosten für Erdgas, Flüssiggas und Erdgas, um den Wärmebedarf eines Einfamilienhauses (20.000 kWh/Jahr) zu decken, in den Jahren 2021 bis 2025.

 

Zuverlässige Technik …

Sowohl Erdgas als auch Flüssiggas sind bewährte Energieträger, die bereits seit Jahrzehnten genutzt werden. Die Anlagen und Antriebe, denen sie Energie liefern, sind erprobt und werden stetig weiterentwickelt – hin zu noch mehr Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit.

 

… in großer Bandbreite

Wer Erdgas oder Flüssiggas zum Beispiel für die Heizung nutzen möchte, kann aus einer Vielzahl an Technologien und Ausführungen wählen: von der effizienten Gas-Brennwertheizung, die für beide Energiearten bereits zu vergleichsweise geringen Anschaffungskosten erhältlich ist, über das Erdgas-BHKW oder Flüssiggas-BHKW bis zur Gaswärmepumpe. Viele davon lassen sich auch mit Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien nutzen, was langfristig zu geringeren Heizkosten führen kann.

 

Option zu Festpreisvereinbarungen

Viele Erdgas- und Flüssiggasanbieter schützen ihre Kunden vor Preissteigerungen, indem sie ihnen den Energieträger in einem bestimmten Zeitraum zu einem festen Preis anbieten.

 

Transparente Abrechnungen

Mithilfe eines Gaszählers können Nutzer von Erdgas und Flüssiggas ihren Verbrauch einfach abrechnen lassen und ihn jederzeit nachprüfen – je nach Modell sogar ganz bequem per Smartphone.

 

Biogene und klimaneutrale Produkte

Manche Versorger bieten ihren Kunden Bio-Varianten von Erdgas und Flüssiggas und/oder Produkte, deren CO2-Emissionen über die Unterstützung von Umweltprojekten ausgeglichen werden.

Zu den Unterschieden zwischen Erdgas und Flüssiggas gehören unter anderem:

 

Energiegehalt

Flüssiggas beinhaltet mehr Kohlenstoffatome als Erdgas und verfügt damit über einen höheren Energiegehalt.

 

Technische Voraussetzungen

Die Erdgasversorgung erfordert einen Anschluss an das öffentliche Versorgungsnetz. Die Vorlaufzeit für einen neuen Erdgasnetzanschluss kann sehr lang sein; im Rhein-Erft-Kreis beispielsweise umfasst sie aktuell etwa 12 Monate ab Auftragseingang (Stand: Januar 2022). Flüssiggas-Neukunden dagegen profitieren von kurzen Vorbereitungs- und Installationszeiten.

Zudem müssen die Kosten (ca. 1.000 bis 2.000 €) für einen Erdgasanschluss in der Regel vom Bauherren bzw. Eigentümer des anzuschließenden Gebäudes getragen werden.

Bei Flüssiggas entfällt diese Voraussetzung; stattdessen brauchen die Nutzer hier einen Flüssiggastank, der oberirdisch oder unterirdisch auf dem Grundstück aufgestellt wird, um den Energieträger direkt vor Ort beim Kunden zu lagern. Viele Flüssiggasanbieter übernehmen einen großen Anteil der Investitionskosten und stellen den Gastank gegen eine monatliche Miete zur Verfügung.

 

Transport/Belieferung

Während Erdgas über unterirdische Leitungen zur Verbrauchsstelle gelangt, wird Flüssiggas bedarfsgerecht per Tankwagen zum Kunden geliefert. Daher eignet sich Flüssiggas als Energielösung gerade für Verbraucher in ländlichen Regionen, die keinen Anschluss an das Erdgasnetz haben. Auch LNG wird auf diese Weise transportiert.

 

Preis

Energiepreise unterliegen ständigen Veränderungen – bei Erdgas und Flüssiggas ebenso wie bei Heizöl und fossilen Kraftstoffen sowie Strom. In der Regel liegt der Preis für Flüssiggas etwas über dem Erdgaspreis. Allerdings sollte dabei auch der höhere Energiegehalt von Flüssiggas einberechnet werden – am besten mithilfe unserer praktischen Flüssiggas-Umrechnung.

 

Diese Verbraucher profitieren von Erdgas und Flüssiggas

Für wen lohnt sich Erdgas?
Für wen lohnt sich Flüssiggas?

Erdgas ist grundsätzlich für alle Verbraucher sinnvoll, deren Gebäude bereits über einen Anschluss an das öffentliche Erdgasnetz verfügen. Flüssiggas lohnt sich überall dort, wo kein Erdgasanschluss vorliegt. Allerdings gibt es noch weitere Situationen, in denen Flüssiggas vorteilhafter als Erdgas ist: unter anderem, wenn …

 

  • … die Kosten für einen neuen Erdgasanschluss zu hoch wären – zum Beispiel, wenn dafür eine lange Leitungsstrecke gelegt werden müsste.
  • … der Energiebedarf über Erdgas nicht ausreichend gedeckt werden kann – gerade bei Industrie- und Handwerksbetrieben wie z. B. Lackierereien.
  • … eine Zwischenversorgung gebraucht wird – beispielsweise, wenn Erdgas über einen längeren Zeitraum trotz Anschluss nicht verfügbar ist (unter anderem nach einem Hochwasser) oder Estrich getrocknet werden soll.
    Ob sich eine Zwischenversorgung mit Flüssiggas lohnt, kommt auf die Gasmenge sowie die Dauer an – das sollte unbedingt mit dem gewünschten Flüssiggasanbieter besprochen werden.

 

LNG, das wie Flüssiggas per Tankwagen geliefert wird, eignet sich vor allem für Industriebetriebe, die viel Energie in kurzer Zeit benötigen und/oder bei denen die Versorgung über konventionelles Erdgas nicht ausreicht.

 

Kann man zwischen Erdgas und Flüssiggas wechseln?

Ja, in der Regel sogar besonders einfach: Moderne Brennwertkessel beispielsweise können sich selbstständig auf die verwendete Gasart einstellen. Ältere bzw. andere Gasgeräte außer Heizungen erfordern einen Austausch der Gasdüsen, zum Beispiel durch einen Heizungsbauer. Diese sind oft in einem praktischen Umrüstsatz bzw. Umbausatz erhältlich.

Um einen späteren Wechsel von Flüssiggas zu Erdgas zu vereinfachen – zum Beispiel, wenn ein Gebäude Zugang zum öffentlichen Erdgasnetz erhält –, sollten bereits bei der Installation der Flüssiggasanlage erdgastaugliche Leitungen verlegt werden.

Sie nutzen bereits Erdgas und sind damit zufrieden? Sehr gut, das freut uns! Aber wenn Sie Heizöl nutzen, gibt es eine bessere Lösung, mit der Sie wirtschaftlicher und emissionsärmer heizen können: Flüssiggas. Ebenfalls netzunabhängig geliefert, ist es effizienter und deutlich besser fürs Klima als Öl – erst recht in der innovativen biogenen Variante, die derzeit nur die wenigsten Flüssiggasversorger in Deutschland anbieten.

Möchten Sie herausfinden, ob sich konventionelles oder biogenes Flüssiggas für Ihr Zuhause oder Ihren Betrieb lohnt? Auch bei LNG helfen wir Ihnen gern weiter! Nehmen Sie für weitere Informationen oder ein Angebot einfach Kontakt mit uns auf: per E-Mail an info@fluessiggas.de oder telefonisch unter 02151 – 917 3029.

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